Gemeinwesenarbeit
Die Gemeinwesenarbeit, auch mit „GWA“ abgekürzt, stellt neben der allgemeinen sozialen Gruppenarbeit und der sogenannten Einzelfallhilfe eine der wichtigsten Arbeitsprinzipien im Rahmen der Sozialen Arbeit dar. Genau genommen nimmt sie Sozialräume wie Stadtteile und Gemeinden bzw. Nachbarschaften zum Gegenstand sozialer Intervention. Darüber hinaus gilt die Gemeinwesenarbeit im Vergleich zu den allgemeinen Bürgerinitiativen als Tätigkeit, die sich durch den Beitrag professioneller und dafür bezahlter Fachkräfte und Experten auszeichnet.
Was die historischen Wurzeln und Ursprünge der heutigen Gemeinwesenarbeit, so wie wir sie kennen, betrifft, sei festgehalten, dass diese auf die von Samuel Barnett im späten 19. Jahrhundert gegründete „Toynbee Hall“ in London zurückgehen. Des Weiteren wird auch das von Jane Addams initiierte „Hull House“ – ein sogenanntes Nachbarschaftszentrum in Chicago – als zusätzlicher historischer Ausgangspunkt der Gemeinwesenarbeit gesehen. Der Grundgedanke für den Beginn dieser Einrichtungen bestand vor allem darin, dass die Ursachen und Auslöser von Armut und sozialer Ungerechtigkeit bzw. Einschränkung nur gemeinsam mit den betroffenen Menschen selbst bekämpft und damit beseitigt werden können.
Hinsichtlich des entsprechenden Wirkungsfeldes der Gemeinwesenarbeit gilt anzumerken, dass der Einsatz von Gemeinwesenarbeitern bevorzugt in sogenannten „sozialen Brennpunkten“ mit umfassenden Problemen und einem entsprechenden Konfliktpotenzial erfolgt. Dies kann beispielsweise in Wohnquartieren mit Einwohnern aus den unterschiedlichsten Kulturen, also sogenannten multi-kulturellen Einwohnerschaften, oder in Stadtvierteln mit dementsprechend hoher Arbeitslosigkeit und überdurchschnittlicher Kriminalitätsrate geschehen. Gemeinnützige Aktivitäten und Aktionen werden oftmals auch von Hotels, Pensionen, Verbänden, etc. gestartet. Ganz egal also, ob es sich dabei nun unter anderem um einen Wirtschaftsverband, ein Landhaus in Hinterglemm, eine Pension in den Tiroler Bergen oder ein Hotel am Klopeiner See handelt – soziale bzw. gemeinnützige Initiativen sind stets und von jedem gern gesehen!
Das Ziel der Gemeinwesenarbeit besteht einerseits darin, eine Verhaltensänderung einzelner betroffener Menschen herbeizuführen, andererseits im Rahmen intensiver Zusammenarbeit und Kooperation mit den Betroffenen deren Lebensqualität in jeweiligen Wohngebieten zu steigern. In dieser Hinsicht sollen die das Gemeinwesen beeinträchtigenden Probleme und Ursachen profund und stets mit Blick auf eine konstruktive Lösung aufgegriffen und infolgedessen „basisdemokratische“ Willensbildungsprozesse geschaffen sowie ermöglicht werden.
Um betroffene Menschen sorgfältig über den Nutzen der Gemeinwesenarbeit aufzuklären, haben es sich Institutionen zur Aufgabe gemacht, die DVD / CD Herstellung von professionellem und verständlichem Informationsmaterial zu fördern. Die DVD- und CD-Medien sind vom Inhalt so aufgebaut, dass sie nützliche Tipps und Anregungen präsentieren, wie die Gemeinwesenarbeit ausgebaut und bestmöglich praktiziert werden kann. Umfragen zufolge gestaltet sich der Informationstransfer per CD bzw. DVD essentieller, da die Personen einen bildlich präsentierten Stoff besser aufnehmen, als schriftliche Informationslektüre auf Blatt Papier.
Gemeinwesenarbeiter sind im Grunde allgemeine Sozialarbeiter bzw. professionelle Fachkräfte und Experten, die über ein geschultes Wissen und dementsprechend gutes Know-How verfügen. Sie verstehen sich entweder im Sinne eines außenstehenden und damit neutralen Moderators bzw. Mediators oder in der Rolle eines aktiven und parteilichen Akteurs. Dementsprechend sollen im Rahmen einer der beiden angeführten Rollen gemeinsam mit den Betroffenen eine Änderung im Sozialgefüge oder allgemeine Verbesserungen der aktuellen Lebenssituationen versucht werden. Im Zuge der Vernetzung mit örtlichen Institutionen wie Behörden, Jugendherbergen, Kirchen und Schulen bzw. Initiativen im Sinne von Vereinen oder bereitwilligen Einzelpersonen (Wortführer, Ehrenamtliche) strebt die Gemeinwesenarbeit an, soziale Veränderungsprozesse mit dementsprechend guter nachhaltiger Wirkung in Gang zu setzen.
Ein besonders essentieller Teil der professionellen Gemeinwesenarbeit ist der Aspekt des sogenannten „Community Organizing“. Dabei geht es um die (Selbst-)Organisation von Bürgern und Bürgerinnen in und außerhalb von speziellen Projekten. Darüber hinaus konnten zur etwas weiter gefassten Disziplin des „Community Development“ viele Parallelen aufgedeckt werden. Das „Community Development“, zu Deutsch „Gemeinwesenentwicklung“, setzt dabei eine profunde Zusammenarbeit mit vertretenden Befugten der lokalen und regionalen Wirtschaftsförderung sowie der Raumplanung voraus. Demzufolge wird die Soziale Arbeit nicht mehr als DIE Leitdisziplin angesehen.